Die Skulpturen von Ralf Kleine irritieren durch eine figürliche Formensprache, die einer anderen Zeit entliehen scheint. Seine Figuren, Köpfe oder auch Büsten sind schöne und seltsam fremde Wesen aus einer unbekannten Epoche. Durch irgendeine Einwirkung scheinen sich ihr Ausdruck und ihre Beschaffenheit grundlegend verändert zu haben, was deutliche und doch geheimnisvolle Spuren hinterlassen hat. Es sind diese Spuren einer rätselhaften Veränderung, welche die innere Dynamik der Figuren von Ralf Kleine erzeugen. Körperhaltungen vermutlich aus erstarrten Bewegungen heraus, fehlende Gliedmassen oder Körperteile aus einer angedeuteten Unversehrtheit, aufgebrochene Körper mit Furchen und Rissen aus einer intakten Oberfläche und schließlich verwischte oder kaum mehr vorhandene Gesichter sind die wesentlichen Merkmale seiner Darstellung des Defizitären und des Beschädigten. Das gleichsam archäologische Sicherstellen und Bergen des Defizitären und des Beschädigten sind die Themen, um welche die Darstellungen von Ralf Kleine ständig und unbeirrbar kreisen. Das Resultat dieser kunstvollen Bergung führt zu einer Überraschung. Seine Figuren aus scheinbar ferner Zeit wirken unglaublich präsent und behaupten ihr heutiges Dasein auf eine bestürzend aktuelle Art und Weise.

Christoph Held